Deutschland 1850  -1881

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Das Deutschland, das Bismarck zusammengehämmert hatte, war noch ein ländliches Großpreußen. Jenes Deutschland, aber das 1890 zu Weltwirtschaft und Weltpolitik aufbrach, war ein ruheloses Reich in einem ruhelosen Europa.

Die Revolutionsereignisse vo 1848/49 waren noch nicht zur Ruhe gekommen, da hatte schon der "Take Off" der deutschen Industrialisierung begonnen. Es gab Stagnation und Rückschläge, 1857/58 eine erste weltweite Wirtschaftskrise. Aber die Industrialisierung brach sich Bahn im strategischen Bogen vom Rheinland über die Ruhr bis Berlin und weiter nach Schlesien, dazu die älteren Industriezentren des Südens um Ulm, Stuttgart, Augsburg und Nürnberg. Niedrige Löhne, Gleichgültigkeit gegenüber Wasser und Luft, politische Ruhe und ein stabiles Investitionsklima, ein liberales Aktien- und Börsenrecht, hohe Kapitalrenditen, begleitet von Spekulation und dem Traum vom schnellen, mühelosen Reichtum  - das alles erreichte seinen Höhepunkt im großen Boom der Reichsgründungsepoche.

Die Städte weiteten sich  aus, wild und ungeplant, wie Fabrikgründung und Bauspekulation es wollten, in Nürnberg, Aachen , in Schlesien und an der Ruhr, oder geplant und von den Behörden eingeschränkt wie in München und in Karlsruhe. In Potsdam blieb das alte Preußen museal erhalten, belebt durch die Uniformen der vornehmen Regimenter. Aber Berlin geriet zum Inbegriff der modernen Megalopolis. Schnellbahnen, Trambahnen (seit 1881), Telefone und Elektrizität - um die Jahrhundertwende bohrten sich die ersten Untergrundbahnen in den Boden.

Es war eine Epoche der Heimatlosigkeit, der  Entwurzelung und der Hoffnung, dass das Leben anderswo bessere Möglichkeiten bot. War es um 1800 die Regel, dass die Pilgerschaft des Lebens endete, wo sie angefangen hatte, so stellte die Industrialisierung alle Erfahrungen auf den Kopf. Die große, einsetzende Landflucht war eine lange Wanderung zu besserer Arbeit, längerem Leben, einer Familie. Die Nation wurde im Durchschnitt jünger und jünger - zur Zeit, als Bismarck starb, war sie die jüngste in Europa - mit Ausnahme Russlands. Aber alle mußten Arbeit und Auskommen finden, Jahr um Jahr mehr als eine halbe Million.

Von jeher war Deutschland ein Land, das seinen Nachwuchs nicht ernähren konnte. Die Auswanderung ging in Wellen vonstatten, von Krisen und Konjunkturen zu Hause bestimmt. 1849 und danach trieb es viele Revolutionskämpfer in die Vereinigten Staaten; eine ähnliche Situation entstand nach dem Deutsch-Französischem Krieg 1870-71. Immer wieder war es die Hoffnung auf Land, die die jungen Menschen nach Amerika aufbrechen ließ. Dann begann Mai 1873 eine Deflationsperiode, die über zwei Jahrzehnte andauernde und Jahr für Jahr kauften mehr als 100.000 junge Leute die Passage von Antwerpen, Rotterdam, Bremerhaven oder Hamburg in die Neue Welt. Sie hatten darüber in Zeitungen, Briefen von Verwandten und Werbeschriften der Reedereien Großes und Verlockendes gelesen. Es waren junge Kaufleute oder Handwerker, die etwas rechtes lernen wollten, oder landlose Bauernsöhne, die durch Auswanderung Land erhofften, wie auch Ehe und Familie, die ihnen in der Regel zu Hause vorenthalten blieben.

Der Höhepunkt der deutschen Auswanderung lag um 1880 und ein Jahr später zog es auch den jungen Hermann Wilmshorst mit seiner Frau Anna Catherine Elisabeth Aldiek in die Neue Welt. Die folgenden Fakten und Informationen die Familie Wilmshorst betreffend stammen von Kathy Quinlan und ich bin ihr dafür sehr zu Dank verpflichtet !

Doch gehen wir noch einmal einige Jahre zurück zu Herman Wilmshorst (Junior), der am 21. Januar 1850 in Horst, Gelsenkirchen, als Sohn von Hermann Wilmshorst (Senior) und Christina Brinsing geboren wurde. Nach derzeitigem Kenntnisstand hatte das Ehepaar weitere vier Kinder - eine kleine Tochter, eine 16jährige Tochter, einen 9jährigen Sohn sowie einen weiteren Sohn mit Namen Theodor Wilmshorst. Hermann Wilmshorst (Senior) verstarb 1860, über ihn und seine Frau Christina sowie drei der Kinder ist derzeit nichts weiter bekannt, das weitere Leben von Theodor Wilmshorst kann nur in Fragmenten beschrieben werden.

Während sein Bruder Herman auswanderte, blieb Theodor Wilmshorst in Deutschland, heiratete und nannte seinen Sohn (zur "Freude" aller zukünftigen Familienforscher) ebenfalls Hermann. Dieser Sohn heiratete später ebenfalls, wobei mir nur der Vorname seiner Frau - Anna - bekannt ist. Zwei Söhne erblickten das Licht der Welt - der ine fiel im 1. Weltkrieg, der andere im 2. Weltkrieg. Über sie ist derzeit nichts weiter bekannt. Nach dem 2. Weltkrieg brach auch der Kontakt zu dem ausgewanderten Familienzweig in den USA ab, letzte Lebenszeichen waren Briefe, die Hermann Wilmshorst und seine Frau Anna im Zeitraum von 1946-47 nach Missouri schrieben - Absender: Eckerstraße 13, Horst, Britische Zone, Deutschland. Hermann Wilmshorst schrieb in diesen Briefen von der Zerstörung seines Hauses in der Britischen Besatzungszone, dem Mangel an Nahrung und Kleidung sowie der Not, als 75jähriger Bergmann keine Rente zu erhalten. Im Gegenzug erhielten sie einige Kleidungsstücke aus den USA, doch hier verlor sich die Spur in den Wirren der Nachkriegszeit. Noch heute sind Mitglieder der Familie Wilmshorst in Essen ansässig, ihre Mitgliedschaft zu den verschiedenen Stammbäumen ist noch nicht aktuell nachgewiesen.

Doch zurück zu Herman Wilmshorst (Junior). Er diente während des Deutsch-Französischen Krieges 1870-71 in der deutschen Armee. Nach dem Krieg arbeitete er als Bergmann beim Kohleabbau unter Tage. Am 28. Juli 1875 ehelichte er im Alter von 25 Jahren in Horst seine Anna Catherine Elisabeth Aldiek, die am 04. Mai 1854 als Tochter von Johann Heinrich Aldiek und Anna Maria Bernadina Oppenhoff in Buer, Gelsenkirchen, geboren worden war. Als Sohn eines Bauern erlernte  Johann Heinrich Aldiek den Beruf des Buchbinders und hatte 1853 die im Jahre 1822 in Marl geborene und viele Jahre später 1874 in Buer verstorbene Anna Maria Bernadina Oppenhoff geheiratet. Das Ehepaar hatte nach derzeitigem Kenntnisstand vier Kinder - vier Töchter namens der schon genannten Anna Catherine Elisabeth Aldiek (*04.05.1854 in Buer - 24.02.1938 in Mexico, Audrain County, Missouri, USA)., Anna Maria Agnes Aldiek (*1856 - ?), Jenny (?) Aldiek sowie Maria Anna Bernadina Aldiek (*1858 - ?). Über den weiteren Lebensweg der Familie Aldiek ist derzeit nichts weiter bekannt, der Name existiert auch heute noch in Deutschland, Zugehörogkeiten zu dem angelegten Stammbaum sind noch unbearbeitet.

Nachdem Herman Wilmshorst (Junior) und Anna Catherine Elisabeth Aldiek im Jahre 1875 in den Stand der katholischen Ehe getreten waren, kündigte sich bald Nachwuchs an - zwei kleine Jungen, die aber noch vor 1878 verstarben. Am 07.05.1878 folgte mit Heinrich Wilmshorst ein weiterer Sohn, am 05.12.1880 eine Tochter mit Namen Maria Wilmshorst. Im Zuge der Auswanderungswelle beschloss auch das noch junge Ehepaar, sein Glück auf dem Kontinent jenseits des Atlantiks zu versuchen und machte sich im Herbst 1881 auf den Weg, in die USA zu emmigrieren - Hermanns Ehefrau war zu diesem Zeitpunkt wieder schwanger.

Wer sich entschlossen hatte, zu emmigrieren, mußte zunächst die Anreise zum Einschiffungshafen organisieren. Als Transportmittel standen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Flussschiffe und Frachtfuhrwerke zur Verfügung - viele Auswanderer legten auch weite Strecken zu Fuss zurück. Eine einfache Art zu den Hafenstädten zu reisen war die Benutzung von Frachtkähnen, die die Flüsse befuhren. Die bedeutendste Route für die Auswanderung war unter anderem der Rhein, der viele Menschen zu den Häfen wie Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam führte. Der Name des Dampfschiffs, auf dem die Familie Wilmshorst die Überfahrt von Antwerpen aus über den Atlantik buchte, lautete "Henry Edye", sie fuhr unter der Flagge der "White Cross Line". Erbaut wurde die "Henry Edye" bei W. Doxford & Söhne, Sunderland, und lief am 25. März 1879 vom Stapel. 2417 Bruttotonnengehalt, Länge 311 Fuss, Breite 35 Fuss, 1 Schornstein, zwei Masten, Eisenrumpf, einfache Besatzung, Geschwindigkeit 11 Knoten. Ihre Jungfernfahrt führte sie am 02.06.1879 von Sunderland über Antwerpen nach New York.

Am 19.11.1881, gerade nach 1 1/2 Monate nach der Reise der Familie Wilmshorst, fuhr die "Henry Edye" wieder von Antwerpen nach Boston und verschwand unterwegs spurlos - mit ihr gingen etwa 35 Menschen und die Ladung verloren. Im gleichen Zeitraum verschwanden übrigens auch mehrere Dampfschiffe anderer Unternehmer, unter ihnen auch die "City of London". In der "New York Times", Ausgabe 31.12.1881, Seite 3, wird erwähnt: "... nichts war zu hören von den überfälligen Dampfschiffen "Henry Edye" und "City of London", obwohl die Agenten immer noch hoffen, dass sie seetüchtig sind. Am 18.01.1882 wird die "Henry Edye" in einem weiteren Artikel dieser Zeitung erwähnt: "Funch & Edye & Co., die Agenten des vermißten Dampfschiffs "Henry Edye", haben nur noch geringe Hoffnung, dass sie den Hafen erreichen wird. Sie dachten noch vor einiger Zeit, dass sie vielleicht in Höhe der Azoren in Seenot geraten sei, aber in den neuesten Nachrichten von dort findet sich keine Erwähnung. Unter dem Kommando von Kapitän Macklenburg und einer 35köpfigen Mannschaft segelte sie ab dem 21. November 1881 von Antwerpen nach Boston. Sie hatte keine Passagiere. Ihre Fracht bestand aus Eisen und (950 Pfund) Zuckerrüben und war etwa 200.000 Pfund wert. Die Besitzer der "Henry Edye" waren "Steinmann & Ludwig" aus Antwerpen, erbaut wurde sie 1879 in Sunderland. Ihre Maße waren: Länge 311 Fuss, größte Schiffsbreite 35 Fuss, Tiefgang 24 Fuss. Ihr Nettotonnengehalt betrug 1589 Tonnen, Ihr Bruttoregistertonnengehalt 2417 Tonnen. Sie hatte fünf wasserdichte Schotten, einen doppelten Schiffsboden und Ballasttanks mit Wasser. Ihre Maschine war ein Verbund von 37 Zylindern mit einem Durchmesser von 70 Inches und einem Kolbenhub von 48 Inches.  Sie war als Brigantine getakelt und etwa 150.000 Pfund wert.

Sehr wahrscheinlich fiel das Schiff einem Hurrikan zum Opfer.

Dampfschiff "Henry Edye", Gemälde von Antonio Jacobsen. Das Bild befindet sich im Nationalen Schifffahrtsmuseum Antwerpen, Belgien.
Passagierliste der "Henry Edye" von 1881 mit Hermann Wilmshorst und seiner Familie ab Nr. 23

Die Auswanderung

Ungefähr am 01.Oktober 1881 erreichte Herman Wilmshorst mit seiner schwangeren Frau Anna Catherine Elisabeth Aldiek und seinen zwei Kindern Heinrich und Maria das Ziel ihrer Träume – Amerika. Während Hermann seinen Namen behielt, nannte sich seine Frau von nun an Elizabeth, die Kinder hörten auf Henry und Mary.

Daß auch in den USA nicht unbedingt die ersehnten paradiesischen Zustände herrschten, erfuhr die kleine Familie direkt bei ihrer Ankunft, als man ihr den Tod des 20. U.S. Präsidenten James A. Garfield mitteilte, der an den Folgen einer Schußverletzung gestorben war. Garfield hatte sich für die moralische Erneuerung der Republikanischen Partei eingesetzt und war von einem enttäuschten, psychisch gestörten Stellenanwärter angeschossen worden. Eine der Kugeln in seinem Rücken konnte trotz intensiver Suche nicht gefunden werden und der Präsident starb elf Wochen nach dem Attentat an den Folgen einer Wundinfektion.

Nach ihrer Ankunft in den USA wohnte die Familie Wilmshorst zunächst in der Nähe der Stadt Fulton, Callaway County im Bundesstaat Missouri; die Stadt war nach dem Erfinder der Dampfboote benannt worden. Einen Monat später siedelten sie nach Audrain County um.

 

An dieser Stelle sind vielleicht einige kurze Informationen über das „Audrain County“ angebracht, in dem die Familie Wilmshorst ansässig wurde. Gegründet wurde das County offiziell am 17.12.1836, Namensgeber war James H. Audrain. Als älteste und zentral gelegene Stadt wurde Mexico der Sitz der County-Verwaltung; der Name der Stadt stammt von  zwei früheren Siedlern, James H. Smith und Referent Robert C. Mansfield. Damals kämpfte der spätere Bundesstaat Texas für die Unabhängigkeit gegen Mexico und die beiden Namensgeber erhofften sich von dem Namen eine hohe Popularität und ein Quentchen Glück für ihre neu gegründete Stadt. 1839 wurde dann das erste Verwaltungsgebäude auf dem Marktplatz erbaut. Die meisten frühen Siedler kamen ursprünglich aus Virginia, Kentucky und Tennessee. Sie steckten zuerst das Land nahe den Wäldern und der kleinen Flüsse ab, die Prärie wurde in die Besiedelung vorerst nicht mit einbezogen. In den ersten drei Jahrzehnten wuchs die Bevölkerung nur langsam, 1850 lag sie erst bei 3508 Personen. Die meisten waren Farmer, einige wenige arbeiteten als Kaufleute. Die einzige Entwicklung war die Verlegung einer Eisenbahntrasse im Jahr 1856, die dem Verwaltungssitz Mexico und der weiteren Umgebung einen Handelszuwachs versprach. Während des Bürgerkrieges war die Bevölkerung des County politisch in zwei Lager gespalten, 600 Mann unterstützen die Union, 500 Mann die Konförderierten; offizielle Schlachten fanden auf dem Gebiet des County allerdings nicht statt.

Die Jahre von 1870 bis 1890 brachten Fortschritt und Wachstum, der Strom der Siedler, vor allem Deutsche, die sich in der östlichen Prärie ansiedelten, nahm stetig zu. Weitere Eisenbahnlinien wurden gebaut, Vandalia, Laddonia und andere Städte gegründet.  Die  Landwirtschaft nahm nun im Wirtschaftssektor die Führungsrolle ein – Audrain wurde als eines der führenden Agrar-Countys des Staates Missouri bekannt. Hauptanbausorten waren Mais und Hafer, der wichtigste Viehbestand setzte sich aus Pferden, Maultieren, Schweinen und Schafen zusammen. 

Zwischen 1870 und 1930 entstand ein wichtiger Industriezweig rund um das „American Saddle Horse“, wobei die Pferde aus Audrain County als die Besten der Vereinigten Staaten galten und nationale Aufmerkamkeit erlangten. Audrain wurde damals auch als „Saddle Horse Capital of the World“ bezeichnet. Neben der Pferdezüchtung etablierte sich auch die Ziegelsteinindustrie, wobei die hier entwickelten Backsteine für den Widerstand gegenüber hohen Temperaturen ausgelegt waren und z.B. für Industrieschornsteine verwendet wurden. So kam als „Fire Brick Center of the World“ eine weitere Auszeichnung hinzu.

Im Jahr 1986 feierte Audrain County seinen 150.Geburtstag mit einer Bevölkerungszahl von 23.599 Personen und einem stolzen Blick auf seine Vergangenheit sowie in die Zukunft.

 

Hier also nun lebte die Familie Wilmshorst mehrere Jahre auf einer Farm drei Meilen nördlich des Städtchens Mexico, die Herman Wilmshorst von Michael Quinlan gepachtet hatte. Die Familie der Quinlans stammte aus Tipperary, Irland. Die Daten sind teilweise bekannt und können im entsprechenden Stammbaum eingesehen werden; die Familie der Quinlan ist durch Verheiratungen mit der Familie Wilmshorst verwandt.

 

 

Auf dieser Farm bei Mexico, Audrain County, kamen in den nächsten Jahren weitere sieben Kinder zur Welt:

  1. Emma Wilmshorst                             (*25.03.1882 –  + 01.02.1968)
  2. Charles Joseph Wilmshorst             (*17.10.1884  –  + 02.03.1969)
  3. Anna Catherine Wilmshorst            (*02.09.1886 –  + 19.11.1977)
  4. William Frank Wilmshorst              (*28.07.1888 –  + 14.12.1979)
  5. Pauline H. Wilmshorst                     (*26.01.1890  –  + 24.07.1976)
  6. Johanna Mary Wilmshorst              (*30.06.1892 –  + 07.07.1988)
  7. Lawrence Edward Wilmshorst        (*23.09.1895 –  + 11.09.1945)

 

Das Leben in den USA

Die nun insgesamt neun Kinder teilten sich im oberen Stockwerk des Farmgebäudes zwei Schlafzimmer, die durch die Ofenrohre, die durch sie hindurchführten, beheizt wurden. Während die beiden jüngsten Kinder Johanna und Lawrence ihren Abschluß an der „Dye Grade School“ absolvierten, besuchten die anderen sieben Geschwister bis zu ihrem Abschluß die „Prairie Lea Grade School“ in der Nähe ihrer Farm. Keines der Kinder besuchte anschließend eine weiterführende Schule wie z.B. die „High School“.

Zusätzlich zu seiner Arbeit auf der Farm war Herman Wilmshorst noch bei der „Salamander Stove Lining Company“ im Mexico, Audrain County tätig.

Während Elizabeth Wilmshorst (ehemals Anna Catherine Elisabeth Aldiek) ihren Kindern von ihrem früheren Leben in Deutschland erzählte, äußerte sich Herman Wilmshorst in keiner Weise darüber. Viele Jahre später gerieten auch die nähren Umstände der Auswanderung (Name des Schiffes, Namen der Häfen etc.) in Vergessenheit, denn die beiden noch in Deutschland geborenen Kinder Henry und Mary waren bei ihren Ankunft in den USA auch erst 1 bzw. 3 Jahre alt gewesen und besaßen keine Erinnerung an dieses Ereignis.

Um das Jahr 1900 erwarb die Familie nordöstlich des Städtchens  Mexico eine eigene, 160 Acres große Farm, die sie innerhalb von drei Jahren vollständig bezahlen konnten. 1 Acres entsprach dabei 0,4 Hektar und war ursprünglich als die Ackerfläche definiert worden, die ein Mann mit einem Ochsen an einem Tag beackern konnte. Die drei älteren Töchter Mary (ehemals Maria), Emma und Anna unterstützten ihre Eltern dabei finanziell, in dem sie Stellen als Haushälterinnen annahmen. Anna Catherine Wilmshorst arbeitete für die Familie von Anwalt Clarence Barnes, die in der 724nd South Jefferson Street in Mexico wohnte, bis sie am 27.09.1912 Henry John Weins heiratete. Die zweite Tochter Emma arbeitete als Haushälterin für die Familie von Joseph Barth, 502 East Monroe in Mexico. Diese Familie war ebenfalls aus Deutschland emigriert und führte in den USA über viele Jahre hinweg ein Bekleidungsgeschäft. Als ihre Schwester Johanna Mary im November 1918 die Farm verlies, um Patrick Michael Mudd zu ehelichen, kehrte Emma Wilmshorst zu ihren Eltern zurück. Sie selbst heiratete nie und half den Rest ihres Lebens auf der elterlichen Farm. Die älteste Tochter von Herman Wilmshorst und seiner Frau Elizabeth Aldiek arbeitete in den frühen Jahren des 20.Jahrhunderts als Haushälterin für eine Familie in Moberly, später war sie bei einer Familie in Clayton, Saint Louis County, angestellt. 1929 mußte Mary diese Anstellung aufgrund einer schweren Erkrankung aufgeben und lebte nach erfolgter Rekonvaleszenz für den Rest ihres Lebens unverheiratet auf der elterlichen Farm.

Im Juli 1925 feierten Herman und Elisabeth ihren 25.Hochzeitstag, eine der wenigen bekannten Fotografien von Herman Wilmshorst entstand auf diesem Fest. 1926 hatte er dann einen Schlaganfall und übergab, nachdem er zu hinfällig geworden war, um arbeiten zu können, seinem Sohn William die Farm. Während seiner drei Jahre währenden Krankheit wurde Herman von seiner Frau Elizabeth und seiner Tochter Emma auf der Farm gepflegt, bis er im September 1929 einen dritten Schlaganfall erlitt,  der eine Woche später am 28.09.1929 zu seinem Tod führte. Er war 79 Jahre alt geworden.

Am 30.09.1929 feierte Patrick D. Gavan, der von 1921 – 1964 Pastor dieser Kirche war, um 9.00 Uhr morgens in der „Saint Brendan´s Catholic Church“ eine Bestattungsmesse. Die Sargträger waren Freunde der Familie und gute Nachbarn: Daniel P. Quinlan , Herman Shrader, Jake Ziegler, Peter Adele, Dave Rogers und Edward Tuepker – bestattet wurde Herman Wilmshorst im Familiengrab der Familie Wilmshorst auf dem „Saint Brendan´s Catholic Cemetery“ in Mexico, Audrain County, das nach seinem Tod gekauft worden war.

Seine Witwe Elizabeth starb mit 83 Jahren am 24.02.1938, nachdem sie eine Woche lang an einer Lungenentzündung laboriert hatte. Während ihrer Krankheit war sie von ihren Töchtern Mary und Emma gepflegt worden. Am 26.02.1938 feierte Pastor James H. Kline von der „Saint Brendan´s Catholic Church“ in Laddonia um 10.00 Uhr morgens eine Bestattungsmesse in der gleichnamigen Kirche in Mexico. Elizabeth wurde im Grab ihres Mannes beigesetzt.

Sieben ihrer neun Kinder wurden ebenfalls nach ihrem Tod dort bestattet, nur Charles Joseph Wilmshorst und Lawrence Edward Wilmshorst wurden auf anderen Friedhöfen beerdigt.

Der Familienname Wilmshorst wurde in der männlichen Linie nur noch von Charles Joseph Wilmshorst weitervererbt, der ebenfalls als Farmer arbeitete. Er heiratete am 14.05.1921 im Alter von 37 Jahren  in Laddonia die Tochter von Richard Thomas (1854 – 16.09.1893) und Polly Ann Jesse (1854 – 09.06.1899) – Alma May Brown. Alma May Browns Familie stammte ebenfalls aus Mexico, Audrain County, ihre Eltern hatten zudem sechs weitere Kinder. Die Daten der Kinder sowie weitere Vorfahren der Familie Brown sind bekannt und können im entsprechenden Stammbaum eingesehen werden. Die Auflistung dieses Familienzweiges würde allerdings den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Alma May Brown wurde im Mai 1892 in Audrain County geboren und verstarb in Mexico, Audrain County am 30.01.1941. Am 14.05.1921 heiratete sie Charles Joseph Wilmshorst in Laddonia, am 23.07.1922 kam im Städtchen Mexico ihr einziges Kind auf die Welt – Charles Brown Wilmshorst. Charles Joseph Wilmshorst arbeitete bis 1940 als Farmer, danach war er auch als Nachtwächter und Polizist tätig.

Charles Brown Wilmshorst heiratete am 23.02.1949 in Chicago, Illinois, die Tochter von George Whitney Phillips (19.02.1890 – 27.10.1977) und Ann Josephine Sills (20.08.1898 – 23.01.1993) – Ruth Ann Phillips. Ruth Ann hatte einen Bruder namens Robert, die Daten ihrer Eltern sowie weiterer Vorfahren sind bekannt und können ebenfalls im entsprechenden Familienstammbaum eingesehen werden. Auch die Auflistung dieses Familienzweiges mit Vorfahren aus England würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen.

Doch zurück zu Ruth Ann Phillips und ihrem ebenfalls abwechslungsreichen Lebensweg. Geboren wurde sie am 15.02.1920 in St. Louis, Missouri und verstarb am 03.04.2003 in Audrain County. Vor ihrer Ehe mit Charles Brown Wilmshorst hatte sie einen Sohn mit Namen Philip Frances, der 1946 geboren wurde. Philip Frances wurde wohl, nachdem sie 23.02.1949 in Chicago die Ehe mit Charles Brown Wilmshorst eingegangen war, adoptiert und erhielt ebenfalls den Nachnamen Wilmshorst. Ruth Ann Phillips besuchte in ihren Jugendjahren die „St. Brendan High School“, wechselte im Jahr 1939 auf das „Nazareth Junior College“ in Louisville, Kentucky und im Jahr 1941 auf die „St. Louis University School of Nursing“, um den Beruf der Krankenschwester zu erlernen. Zusätzlich war sie auch Mitglied der katholischen Kirchengemeinde von St. Brendan. Während des 2.Weltkriegs diente sie als ausgebildete Krankenschwester in der U.S. Navy; stationiert war sie in dieser Zeit in der „Great Lakes Naval Training Station“ nahe Chicago, in der sie Armeeverbände der Navy und des Marinecorps schulte. Am 23.10.1949 heiratete sie in Chicago Charles Brown Wilmshorst, der gemeinsame Sohn David Charles Wilmshorst erblickte am 06.09.1952 das Licht der Welt. Von 1967 bis zu ihrem Ruhestand  im Jahr 1986 arbeitete Ruth Ann Phillips als ausgebildete Nachtwache im „Audrain Medical Center“, bevor sie in Rente  ging. Auch dann blieb sie in ehrenamtlicher Arbeit für das „Kings Daughters Home“ in Pin Oaks tätig. Nach einem ereignisreichen Leben verstarb Ruth Ann  im Alter von 83 Jahren am 03.04.2003 um 10.05 Uhr morgens im „Audrain Medical Center“, in dem sie neunzehn Jahre gearbeitet hatte – hier schloß sich ein Kreis.

Die Trauerfeier fand am 05.04.2003 um 14.00 Uhr unter der Leitung von Pfarrer Henry Reichert im Bestattungsinstitut „Pickering Funeral Home“ statt, beerdigt wurde Ruth Ann Wilmshorst auf dem „Elmwood Cemetery“ in Mexico, Audrain County, Missouri, USA.

David Charles Wilmshorst lebt mit seiner Familie heute ebenfalls in Mexico, Audrain County., dazu gehörige Informationen werden aus Gründen des Datenschutzes und der Privatsphäre hier nicht aufgeführt.

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© Joachim Wilmshorst, Stand: 16.05.2017