Die Familie KAEDING

 

Der preußische Landkreis Flatow bestand von 1818 bis 1945. Mit den preußischen Verwaltungsreformen nach dem Wiener Kongress entstand zum 01.04.1818 der Kreis Flatow im Regierungsbezirk Marienwerder in der Provinz Westpreußen. Dieser umfasste meist ländliche Gebiete um die Stadt Flatow, dem Kreissitz. Seit dem 03.12.1829 gehörte der Kreis - nach dem Zusammenschluss der bisherigen Provinzen Preußen (nicht Ostpreußen) und Westpreußen - zur neuen Provinz Preußen mit dem Sitz in Königsberg i. Pr. Seit dem 01.07.1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab dem 01.01.1871 zum Deutschen Reich. 1945 besetzte die sowjetische Armee die Provinz, die ansässige Bevölkerung wurde vertrieben, das Gebiet fiel an Polen.

Jakob Kaeding heiratete Friedrika Riedlewski, derzeit ist von dem Ehepaar nur bekannt, das Jakob Kaeding in Zakrzewo verstarb, seine Ehefrau in Berlin, Deutschland. Zakrzewo liegt in Hinterpommern am Ostufer des in die Küddow mündenden Flüsschens Glunia, etwa sechs Kilometer nordöstlich der Stadt Flatow (Zlotow) und vierzig Kilometer nordöstlich der Stadt Schneidemühl (Pila).

Das Ehepaar hatte einen Sohn  namens Karl August Kaeding, der am 02.05.1855 in Schwente, Kreis Flatow geboren wurde. Die Taufe fand am 17.05.1855 in der evangelischen Pfarrkirche in Flatow statt. Karl August Kaeding war später als Erwachsener von Beruf Schuhmacher. Am 07.03.1882 ehelichte er in Berlin (Standesamt Berlin IV) die Mathilde Emilie Auguste Mausolf, die am 04.12.1859 in Flatow geboren worden war. Ihr Vater  Hermann Mausolf war Maurer, die Eltern ihrer Mutter Pauline Rieck (08.04.1828 - 13.07.1889 in Flatow) stammten ebenfalls aus Flatow. Die Verbindung nach Berlin entstand wohl rein  praktisch ab dem Jahr 1871, als der Ort eine Bahnstation der Preußischen Ostbahn erhielt, auf der die Züge von Berlin nach Königsberg i. Pr. verkehrten.

Heiratsbescheinigung Karl August Kaeding mit Mathilde Emilie Auguste Mausolf.

Das Ehepaar hatte drei Söhne: Karl Erwin Gustav Kaeding wurde am 14.05.1886 in Flatow geboren und verstarb dort am 14.06.1886 im Alter von vier Wochen. Danach ist die Familie nach Berlin umgezogen, denn am 28.09.1888 wurde Gustav Willy Kaeding in der deutschen Hauptstadt geboren. Ihm folgte am 20.12.1889 Willy Erwin Kaeding.

Dieser dritte Sohn diente im Grenadierregiment 3, 5. Kompagnie und fiel als lediger Soldat des 3. Grenadierregiments bei Chemin de Dames am 12.09.1918 wenige Wochen vor Kriegsende. Der Höhenzug Chemin des Dames, Frankreich,  gehörte zu den stark umkämpften Regionen der Westfront im 1. Weltkrieg.

Karl August Kaeding verstarb am 29.10.1904 im Alter von 49 Jahren in Berlin.

Am 20.12.1913 heiratete der als Fabrikarbeiter tätige Gustav Willy Kaeding auf dem Standesamt Berlin VIII die Anna Klara Eisenkraetzer (12.08.1893 in Berlin - 16.12.1981 in Berlin). Die väterliche Familie Eisenkraetzer stammte aus Erfurt in Thüringen, die mütterliche Familie Schauwecker aus Neubrandenburg. Anna Klara Eisnekraetzer hatte zwei Brüder - Karl Otto Kurt  und Berthold Rudolph Eisenkraetzer, die früh verstarben. Karl Otto Kurt wurde am 15.08.1895 in Berlin geboren und verstarb dort am 22.07.1896. Berthold Rudolph fiel im 1. Weltkrieg am 12.06.1915 bei Zydarzow, Ukraine.

Gustav Willy Kaeding und Anna Klara Eisenkraetzer hatten zwei Söhne, Gustav Kaeding (15.11.1914 in Berlin) und Erwin Kurt Artur Kaeding (Februar 1920 in Berlin).

Der erste Sohn Gustav Kaeding heiratete am 10.05.1939 im Dom zu Xanten die Magdalene Jansen (06.09.1919 in Wyler, Kleve - 09.12.2011 in Kleve, für weitere Informationen siehe auf dieser Homepage die Seiten der Familien Janssen / Jansen). Das Ehepaar hatte zwei Söhne - Jürgen und Gustav Kaeding -   ihre Familien und Nachkommen werden hier aus Gründen des Datenschutzes nicht aufgeführt, haben aber auch am Familientreffen am 01.04.2017 in Bedburg-Hau teilgenommen, das von Gustav Kaeding organisiert wurde.

 

Gustav Kaeding war im Krieg Soldat und wegen zweifacher Verletzung beurlaubt worden. Unter anderem hatte er einen Steckschuß im Rücken erlitten. Nachdem er seine Familie aus Kleve fortgebracht hatte, fuhr er noch einmal dorthin zurück. Er verstarb bei einem der ersten Luftangriffe auf Kleve am 26.09.1944, nachdem er noch am gleichen Tag einen Brief an seine Frau Magdalene abgeschickt hatte. Von seinem Tod erfuhr seine Frau aufgrund der Kriegswirren erst sechs Wochen später. Man fand ihn am Straßenrand, all seiner Habseligkeiten und Papiere beraubt und er mußte in der Leichenhalle von Angehörigen identifiziert werden.  Die Todesursache war wohl eine geplatzte Lunge aufgrund des vom Bombeneinschlags verursachten Luftdrucks.

Frau Kaeding traf nach dem Krieg unter zufälligen Umständen den Piloten des Flugzeuges, das nach dem Start in Maastricht und dem Flug nach Kleve die Bombe abgeworfen und damit 25 Menschen getötet hatte.Der englische Pilot besuchte nach dem Krieg wohl aus Gewssensgründen die Stadt Kleve und auch die Stelle des Bombenabwurfes. Diese Meldung erschien damals im Vorfeld des Besuchs in der dortigen Tageszeitung. Magdalene Kaeding dachte darüber nach, den Piloten zu treffen, um ihr damit verbundenes Erlebnis aufarbeiten zu können. Nachdem ihr einer ihrer Söhne zu - der andere abgeraten hatte, entschloß sie sich, einer Veranstaltung mit dem Piloten doch fern zu bleiben. Stattdessen fuhr sie nach Xanten und besuchte dort den Dom, in dem sie auch geheiratet hatte. Im Dom begegnete sie zufällig dem Piloten mit seiner Ehefrau und kam dann mit ihm ins Gespräch, wobei eine ältere Frau dolmetschte. Er bat Magdalene Kaeding um Verzeihung.

Aus dem Buch "Niederrheinisches Land im Krieg" von Peter Sliepenbeek, 1964:"Am Dienstag, den 26.09.1944, erfolgte der bis dahin schwerste Jaboangriff gegen 18.30 Uhr. Wieder war die Unterstadt das Hauptziel. In der Kirche stürzte ein Teil des Gewölbes ein...das Hospital wurde so schwer beschädigt, dass es geräumt werden mußte.. die Kinderstation brannte...am Bahnhof war es schlimm. Am 26.September kamen in Kleve nicht weniger als 68 Einwohner der Stadt innerhalb einer Viertelstunde um."Im Internet findet sich ein englischer Beitrag über Ray Hamley, den Piloten des Bombers, der am 26.09.1944 die Bomben abwarf, die u.a. auch zum Tod von Gustav Kaeding führten. Er wird hier übersetzt und gekürzt wiedergegeben:"Am 26. September 1944 startete Flying Officer Ray Hamley mit seinem Bomber vom Melsbroek Flugplatz in Belgien. Dies war die Woche, in der die Brücke von Arnheim von den Alliierten erobert worden war. Während nun deutsche Truppen heraneilten, um einen weiteren Alliierten Vorstoß zu unterbinden, hatte Ray Hamleys Bomber den Befehl erhalten, eine strategisch wichtige Kreuzung über den Spoy-Kanal in Kleve zu bombardieren. Als sich das Flugzeug der Stadt näherte, lotste Ray den Piloten zur Abwurfstelle. Während des Überfluges warf Ray die acht 250 Pfund schweren  Bomben ab. Die Kameras an der Außenseite des Flugzeuges zeichneten auf, dass die Kreuzung, der Bahnhof und eine Kirche getroffen wurden. Nach zwei Jahren kehrte Ray im Range eines Flugleutnants nach England zurück, wurde Lehrer in Whitby, Yorkshire (später Rektor) und dachte nicht mehr an den Krieg, wobei aber immer wieder flüchtige Erinnerungen aus der Vergangenheit wiederkehrten. Nachdem Ray zufällig in einer Zeitung das Bild der zerbombten deutschen Kirche gesehen hatte, wurde er nachdenklich. Er hatte acht Bomben in Kleve auftreffen gesehen - eine traf die Kirche, eine den Bahnhof, eine die Kreuzung. Was war mit den anderen ? Was war noch in Kleve geschehen ?Am 24. August 1984 schrieb er dem Bürgermeister von Kleve einen Brief, in dem er sein Anliegen schilderte und feststellte, der Pilot zu sein, der die örtliche Kirche zerstört hatte. Außerdem bat er um die Weiterleitung des Briefes an den nun amtierenden Pfarrer der betreffenden katholischen Gemeinde. Er wollte Vergebung. Im November erhielt er die Antwort des Bürgermeisters, in der dieser ihn für seinen Mut lobte und ihn herzlichst in die wieder aufgebaute Kirche einlud.Am 01. Dezember traf ebenfalls ein Päckchen des Pfarrers ein - dieser hatte Rays Brief an einem Sonntag in vier Messen den Kirchenbesuchern vorgelesen. Danach hatte er sie aufgefordert, das Antwortschreiben, das im hinteren Teil der Kirche auslag, zu unterzeichnen, wenn sie der Bitte des Piloten um Vergebung nachkommen könnten. Mehr als 500 Menschen unterschrieben. Mit dem Schreiben schickten sie auch ein für ihn gebackenes "Friedensbrot" und drückten ihre Bewunderung für seinen Schritt aus der Anonymität und die Anerkennung der Schuld aus.Im folgenden Sommer besuchte ihn Pfarrer Friedrich und ermutigte Ray, nach Kleve zu kommen. Ray war unsicher, manche Dinge sollte man vielleicht ruhen lassen. Der Pfarrer erklärte ihm aber, dass es für viele, viele Menschen wichtig sei, mit ihm in Kontakt kommen zu können. "So wie Sie Vergebung möchten, möchten andere vergeben können". Schließlich sagte Ray für den nächsten Sommer zu.Am 10. August 1986 war die Kirche St. Maria vollbesetzt. Viele weinten, als Ray Gott um Vergebung bat und sich für den Bombenabwurd entschuldigte.  Er traf auch die Tochter des Kirchenpfarrers, der damals ebenfalls durch die Bombe getötet worden war. Sie umarmten sich... Sie meinte, es sei mutig von ihm gewesen, als 21Jähriger in einem Flugzeug im Krieg zu dienen - aber noch viel mutiger, sich nun seiner Vergangenheit und denjenigen zu stellen, die dadurch Leid erfahren hatten." Ray fand viele Freunde in Kleve. 1999 verstarb er und wurde im nordenglischen Whitby bestattet.

Er hatte seine Lebensgeschichte in dem Buch "Ray Hamley...und die Anrufe von oben" beschrieben.

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© Joachim Wilmshorst, Stand: 16.05.2017