Die Familie TEURLINGS

Die Familie Teulingslaan oder Tholinck (wie Teurlings in früheren Schreibweisen auch notiert wurde) aus s´Hertogenbosch (niederländ. Den Bosch)  trägt ein Wappen mit drei Merletten (Die Merlette (franz. Merle „Amsel“) ist ein entenartiger, heraldisch gestümmelter Vogel, dem Schnabel und Füße fehlen. Sie ist seit der Frühzeit der Heraldik bei französischen und rheinischen Wappen verbreitet).  Die Familiemitglieder  waren in s´Hertogenbosch hauptsächlich als Händler und Anwälte tätig, ein weiterer Familienzweig findet sich päter auch in Osterwijk und Helvoirt. Hier arbeiteten sie vor allem als Bauer und Müller.

Angeblich soll die die Familie Teulingslaan, bevor sie in S´Hertogenbosch tätig wurde, aus Flandern und Brabant, dem Gebiet östlich der niederländischen  Schelde-Mündung, stammen und mit den Burggrafen von Aalst verwandt sein. Diese waren mit den Maut- und Zollrechten für den Schifffahrtsverkehr belehnt. Aus dem englischen "Toll" für Maut stammt das niederländische Wort "tol". Der Name Tollinck / Tholinck entstand zu dieser Zeit und weist deutlich auf den Beruf als Namensgeber hin. Der Name Teurlings bedeutet demnach etwa  "Mauteintreiber" oder "Zolleintreiber".

Wir dürfen nicht vergessen, dass  im Mittelalter die Wirtschaft nicht nur auf Geld, sondern auf den Tausch von Waren gründete. Die Tolinc / Tollinck / Toelinck / Tholincx / Teulingslaan-Familie war von 1250 - 1620 vor allem als regionale und überregionale Kornhändler tätig, die in s´Hertogenbosch, Antwerpen, Amsterdam sowie weiterhin in Venedig, Genua, Valencia, Sevilla, London, Riga usw. Geschäfte abwickelten. Korn war nicht nur ein Lebensmittel, sondern auch auch ein wichtiges Gut für Transaktionen. Zinsen, Mieten etc. wurden jährlich oft in hartem Scheffel bezahlt. Getreidelagerhallen waren die "Geldspeicher" des Mittelalters.

Die folgenden Informationen können aufgrund ihrer ursprünglichen Ausführlichkeit hier nur in Ausschnitten wiedergegeben werden - auf "www.ancestry.de" findet sich mein Online-Stammbaum, der die Familie Teurlings ab dem Jahr 1600 bis heute aufführt. Durch die zahlreichen Nachkommen und Familien der jeweils eingeheirateten Ehepartner ist eine übersichtliche Darstellung hier nicht möglich und so  führe ich im Folgenden "nur" einen weitläufigen Blick auf die Familie Teurlings aus. Einzelpersonen von besonderem Interesse, wie z.B. Monsignore William Joseph Teurlings, werden allerdings dennoch beschrieben.

 

Der heutige Familienname „Teurlings“ reicht nach derzeitigem Kenntnisstand zumindest bis ca. 1580 zurück und existiert auf der damals (viel älteren) vorherrschenden phonetischen Schreibweise in mehreren Versionen:

 

Teurlings, Teurlincx, Teurlinx, Tuelinck, Thurnouts, Tollinck, Tolinc, Toelinck, Tholincx, Teulingslaan usw.

 

Dem Ehepaar Gerardus Geerts Teurlincx und Maria Henricus (Nachname unbekannt) wurde 1620 in Oisterwijk, Niederlande, ein Sohn geboren, der ebenfalls den Namen seines Vaters erhielt: Gerardus Geerts Teurlincx (1620-1693). Oisterwijk ist heute eine Gemeinde der niederländischen Provinz Nordbrabant zwischen Tilburg und s´Hertogenbosch, bis 1724 kamen  alle Nachkommen dieses Familienzweiges dort zur Welt.

Dieser Sohn Gerardus Geerts Teurlincx ehelichte am 27.02.1650 die einem alten Adelsgeschlecht entstammende und 1630 in Loon op Zand, Nordbrabant, Niederlande, geborene Maria van Beurden. Die Auflistung ihres Stammbaumes würde hier den Rahmen sprengen, ihre Vorfahren lassen sich aber tatsächlich (und nachweislich) bis auf Chlodwig I. (466-511 n. Chr.), König der Merowinger, der heute als Begründer des Frankenreiches gilt, zurückführen. Seine Lebensgeschichte ist im Übrigen ausführlich im Internet (z. B. Wikipedia  https://de.wikipedia.org/wiki/Chlodwig_I.) nachzulesen und kann hier nicht behandelt werden. Maria van Beurden ist seine 34fache Urenkeltochter !

Die Familie Teurling und ihre zahlreichen Nachkommen lebten also etwa in einem Zeitraum von 150 Jahren bis 1758 in Oisterwijk, bis Adriaan Teurlincx am 20.03.1758 verstarb. Mit seiner aus Helvoirt, Niederlande, stammenden Ehefrau  Petronella van Elens hatte er einen Sohn , den er ebenfalls Adriaan Teurlincx benannte, der am 02.02.1724 in Udenhout, Niederlande, geboren wurde. 

Dieser Adrian Teurlincx heiratete die ebenfalls aus Udenhout stammende Anna Maria van der Pas (1734-1795). Im  Jahre 1777 begegnen wir Adrian Teurlincx in den Schiffahrtsregistern von Osterwijk - laut Eintrag von 1777 verkauft Adrian Teurkincx als Ehemann von Anna Maria van de Pasch zusammen mit den anderen Kindern von Aadrian van de Pasch und seiner Ehefrau Helena de Kok ein Haus, einen Schuppen und ein Backhaus an Adriaan van Loon. Von Adrian Teurlincx ist ein Königsschild von 1778 erhalten, als er Schützenkönig der St. Antonius- und St. Sebastiansgilde wurde. Beruflich war er als Schmiedemeister in Berkel tätig, auf seinem Wappenschild sind ein Hammer und ein Amboß abgebildet. Aus der Ehe mit Anna Maria van der Pas stammen sieben Söhne und ebenfalls sieben Töchter, wobei einer der Söhne wieder Adriaan Teurlings (1761-1841) genannt wurde... (spätestens an dieser Stelle wird dem Familienforscher leicht schwindelig ;-) ) und der Stammvater der Tilburger Müllerfamilie Teurlings wurde, die zunächst die "Heikantse"-Mühle und später auch die Mühle in Udenhout in der Loonse Molenstraat betrieb. Obwohl Adrian für die Teilnahme an der Armee ausgelost wurde und sich dementsprechend als Wehrpflichtiger registrieren lassen sollte, stand er nie in militärischen Diensten. Seine Eltern konnten es sich finanziell leisten,  ihn davon loszukaufen und einen Ersatzmann für ihren Sohn zu einziehen zu lassen.

Adriaan Teurlings (1761 - 1841), der Stammvater  der Müllerfamilie Teurlings in Tilburg und direkter Vorfahre der heutigen Familie Teurlings (Lambert "Onkel Bart" Teurlings / Hermine Teurlings...), die am 01.04.2017 am Familientreffen in Bedburg-Hau teilgenommen hat.

 

Am 14.02.1790 ehelichte Adriaan Teurlings in Udenhout die am 19.04.1767 in Veghel, Nordbrabant, Niederlande, geborene Antonetta Francis van den Boer (verstorben 1829), das Ehepaar hatte zwischen sechs und sieben Kinder - keines davon wurde Adriaan genannt ;-)  Wir überspringen die daraus entstandene zahlreiche Nachkommenschaft (die wie schon erwähnt im Online-Stammbaum auf "www.ancestry.de" ausführlich dokumentiert ist) um eine Generation und kommen so zu einem der Enkel des Ehepaares - Cornelius Teurlings, der nach einem Umzug der Familie am 04.10.1828 im niederländischen Tilburg geboren wurde. Cornelius Teurlings heiratete am 28.10.1861 Francisca Mulders, die am 12.06.1835 in Moegestel, Niederlande, geboren worden war. Wie zu damaliger Zeit üblich, hatte das Ehepaar zahlreiche Kinder, vier Jungen und vier Mädchen. Zwei dieser Söhne sind für mich von besonderem Interesse, die später noch erwähnt werden.

  • Franz Joseph Teurlings    
  • (geb. 25.09.1867 in Tilburg, verstorben 16.05.1929 in Nijmegen, Niederlande)
  • Wilhelm Joseph Teurlings
  • (geb. 27.01.1872 in Tilburg, verstorben 28.12.1957 in Lafayette, Louisiana, USA)

 

In der nachfolgenden Bildergalerie finden Sie auch einige Fotos weiterer Angehöriger der Teurlingsfamilie, die den verschiedenen Zweigen des umfangreichen Stammbaumes zugeordnet werden.

Kinder von Franciscus Antonius Teurlings (24.03.1834 Tilburg - 06.03.1929 Tilburg) und seiner Ehefrau Cornelia Aarts (12.04.1840 Gilze - 15.01.1889 Tilburg). Von links nach rechts: Johannes Teurlings (09.02.1875 Tilburg - 12.04.1952 Tilburg), neben ihm seine Ehefrau Petronella Catharina van de Rijdt, Antonia Antoinetta Teurlings (18.01.1884 - ledig verst. 10.02.1906 Tilburg), Maria Cornelia Teurlings (31.01.1879 Tilburg - 04.04.1967), Jan Baptist Teurlings (07.05.1877 Tilburg - 14.12.1962). Dies war die letzte Generation der Familie Teurlings, die in der Ölmühle an der Reitse Hoevenstraat, Tilburg geboren wurde und auch dort gelebt hatte.

Kinder von Johannes Teurlings (09.02.1875 Tilburg - 12.04.1952 Tilburg) und Petronella Maria Catharina  van de Rijdt (07.07.1873 Tilburg - 05.05.1946 Tilburg). Von links nach rechts: Elisabeth Teurlings (06.09.1910 Tilburg), Adrianus Josephus Johannes Teurlings (16.11.1902 Tilburg - 25.02.1967 Eindhoven), Gerardus Willibrordus Cornelis Teurlings (10.07.1907 Tilburg - 10.09.1964), Cornelia A. J. Teurlings (06.04.1906 Tilburg - 10.08.1966).

Im Adressbuch der Stadt Tilburg aus dem Jahre 1900 wird Johannes Teurlings zunächst als Ziegehersteller erwähnt, seine Firma trägt den Namen " Teurlings & Smulders". Im Jahr 1911 gab es auf der Reitse Hoevenstraat den Steinfabrikanten "Teurlings & Smulders", Johannes wird ebenfalls als Ziegelhersteller erwähnt. Zu dieser Zeit gab es in der Goirkestraat einen Ton- und Lehmabbaubetrieb, der von einem J. Smulders geleitet wurde - dieser war wahrscheinlich Johannes Teurlings Kompagnon, gesichert ist dies allerdings nicht. Es ist aber belegt, dass das Unternehmen "Teurlings & Smulders" mit einer Schmalspurbahn Lehm aus den Tongruben in den Reeshof zur weiteren Verarbeitung transportiert wurde. Etwa um 1919 änderte sich der Firmenname in "Smulders & Teurlings", die neue Büroadresse lautete nun Dongenseweg (jetzt Rueckertbaan). Dort war die Firma bis 1960 aktiv, dann wurde der Gebäudekomplex abgerissen. "Smulders & Teurlings" waren nach "A J. Claesen & Co." und "Stevens & Co." die größte Ziegelfabrik in Tilburg.

Auf diesem weiteren Foto aus dem Jahre 1908 wieder der Steinfabrikant Johannes Teurlings (09.02.1875 Tilburg - 12.04.1952 Tilburg) mit seiner Familie, von links nach rechts: Adrianus Josephus Johannes Teurlings (16.11.1902 Tilburg  - 25.02.1967 Tilburg), Gerardus Willibrordus Cornelius Teurlings (10.07.1907 Tilburg - 10.09.1964), Petronella Maria Catharina van de Rijdt (07.07.1873 Tilburg - 05.05.1946 Tilburg), Franciscus Antonius Cornelis Teurlings (* 09.02.1875 Tilburg), Cornelia Antoinetta Josephina Teurlings (* 06.04.1906 Tilburg). Die Familie wohnte in der Hasselstraat 200, Tilburg.

Die Silberhochzeit des Tilburger Müller-Ehepaares Adrianus Antonius Teurlings (05.12.1867 Tilburg  -26.06.1946 Tilburg) und Maria Josephina van Riel (26.04.1871 Dongen - 25.04.1947 Tilburg) im Jahre 1920. Auf dem Stuhl im Vordergrund sitzt der jüngste Sohn Franciscus Teurlings (08.11.1915 Tilburg - 27.01.1994 Tilburg). Hinter dem Ehepaar ab der 6. Person von links ihre anderen Kinder: Walterus Petrus Maria Teurlings (21.02.1904 Tilburg - 20.06.1973 Tilburg), Nicolasina Johanna Franziska Maria Teurlings (18.09.1899  Tilburg - 12.09.1971 Tilburg), Adrianus Franciscus Antonius Teurlings (14.09.1908 Tilburg - 24.07.1959 Tilburg), Catharina (*1905 Tilburg) und Wilhelmus Johannes Teurlings (28.12.1897 Tilburg - 09.02.1958 Tilburg, verheiratet am 15.02.1927 mit Maria Catharina de Jong).

Die Söhne des oben schon genannten Müller-Ehepaares Adrianus Antonius Teurlings und Maria Josephina van Riel, von links nach rechts: Adrianus Antonius Franciscus Teurlings 14.09.1908 Tilburg - 24.07.1959 Tilburg, verh. mit Maria C .J. Mommers), Wilhelmus Johannes Teurlings (28.12.1897 Tilburg - 09.02.1958 Tilburg, verh. am 15.02.1927 Maria Catharina de Jong), Walterus Petrus Maria Teurlings (21.02.1904 Tilburg - 20.06.1973 ledig verstorben in Tilburg), Franciscus Teurlings (08.11.1915 Tilburg - 27.01.1994 Tilburg).  Das Foto stammt aus dem Jahre 1920.

Ein weiteres Bild der Müllersfamilie Teurlings aus dem Jahr 1920, von links nach rechts: Die Söhne Waltherus und Franciscus, der Vater Adrianus Antonius, der Sohn Wilhelmus, die Tochter Nicolasina, die Mutter Maria Josephina van Riel, Sohn Antonius.

Die  Firma "Teuro Granen Tilburg B.V." besteht seit 1987. Die Ursprünge liegen jedoch viel weiter zurück.

Teuro Granen Tilburg entstand aus der alten Müllertradition der Familie Teurlings. Diese Tradition reicht sogar noch weiter zurück als hier beschrieben. Im Jahr 1867 wurde Adrianus Antonius Teurlings geboren. Archive belegen, dass er Müller an Het Lijnsheike in Tilburg/Niederlande war. Früher war es üblich, dass der Beruf des Müllers vom Vater auf den Sohn überging. Das war auch hier der Fall: Sohn Willem Teurlings wurde am 28. Dezember 1897 geboren und übernahm das Geschäft seines Vaters. Am 15. Februar 1927 heiratete er Maria Catharina de Jong und daraus entstand der Firmenname der Gründer: Teurlings-de Jong in Tilburg.

Im Jahr 1923 ließ sich an dem gerade angelegten Piushaven das erste Tilburger Unternehmen nieder, ein anderes Handelsunternehmen mit dem Namen Schraven-Eijsbouts. Später zog auch Teurlings-de Jong von Het Lijnsheike an den Piushaven in Tilburg um.

Willem und seine Frau hatten eine Tochter mit dem Namen Corrie, die nach dem Tod ihrer Eltern das Geschäft fortführen ließ. Im Laufe der Zeit wurde die Erzeugung von Futtermitteln aus verschiedenen Gründen beendet und der Betrieb wurde in ein Handelshaus für Futtermittelrohstoffe für vorwiegend lokale Abnehmer umgewandelt.

Da kein Nachfolger vorhanden war, beschloss Corrie, das Geschäft zu verkaufen. Nach diesem Verkauf wurde die Handelstätigkeit unter dem jetzigen Namen Teuro Granen Tilburg B.V. fortgesetzt und entwickelte sich zu einem internationalen Handelsunternehmen.

Der Piushaven um das Jahr 1935.


Der Ansichtskarte liegt ein Foto zugrunde, auf dem zu sehen ist, wie am 20. März 1923 das erste Schiff in diesem Hafen gelöscht wurde. Die Ladung bestand aus Ballen mit Weizenmehl für die Mehl- und Futtermittelfabrik Schraven-Eijsbouts.

Antoon Teurlings gründete 1923 die Firma Teurlings, 1926 begann die Produktion von Rinderbriketts, die im ganzen Süden der Niederlande Bekannheit erlangten. 1935 wird die kleine Fabrik mit Ölwringern zum Ölpressen erweitert.  1952 wird die Ölpresse zum Mahlen von Weizen und Mehl zur Mehlfabrik umgebaut. 1959 begann der Bau einer großen Viehfutterfbarik am neuen Hafen. 1963 wird die stillgelegte Mehlfabrik zur Reinigung und Mischerei von Taubenfutter und Vogelsamen umgebaut. 1968 wird für die Reinigung ein neues Silogebäude mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen errichtet. Im Jahr 1969 wird die neue Viehfutterfabrik in Betrieb genommen.

Nach 1980 wird das Sortiment durch viele erfolgreiche Produkte für Hobbytiere aller Kategorien erweitert. Dank der großen Nachfrage nach der Marke dehnt sich das Absatzgebiet sowohl im In- auch als im Ausland schnell aus. 1998 feierte die Firma 75jähriges Jubiläum. 2002 schloß Teurlings einen Vertrag mit Sibner Hegner. Die Marke wurde nun von diesem Schweizer Konzern übernommen. Den Vetrieb übernahm Holland Diervoeders Utrecht und die Produktion wird zu Lenersan Poortman in Dordrecht verlagert, beides konzerneigene Firmen. 2011 ist die Firma Teurlings eine Marke von Holland Diervoeders B.V. mit Sitz in Dordrecht.

Tilburg, Rosmolenplein 61, Cafe´ "Neue Mühle" und die beistehende Mühle der Familie Teurlings. Die Mühle wird erstmals  im Jahr 1616 als "Velthovensche Wind- und Pferdemühle" erwähnt, auch auf einer Stadtkarte aus dem Jahr 1760 ist sie als "Velthovensche Wind- und Pferdemühle" gekennzeichnet. Im  Kataster von 1832 ist notiert, dass Maria van Gorp (07.04.1797 Tilburg - 12.05.1877 Antwerpen, übrigens die 2fache Urgroßmutter von Lambert "Onkel Bart" Teurlings), Witwe von Franciscus Adriaan Teurlings, Eigentümerin der Kornwindmühle "Molenbogten" und der Pferdemühle "Velthovensche Mühle" ist. Anschließend war einer ihrer Söhne, Arnoldus Teurlings,  der Eigentümer. Die Windmühle, auch bekannt unter dem Namen "Teurlings Mühle", wurde 1927 abgerissen. Der Korrespondent des "Tilburgsche Courant" beklagte, dass die Mühle in die Hände einer Abrissfirma gefallen sei und sah dies als eine Verletzung der ästhetischen Ansicht der Rosmolenplein. Das Foto oben ist die Abbildung einer Ansichtskarte aus dem Jahre 1900.

Wilhelm Joseph Teurlings (1872-1957)

Wilhelm Joseh Teurlings Leben begann am 27.01.1872 in Tilburg, Niederlande. Dort wurde er als Sohn des katholisch frommen Ehepaars Cornelius Teurlings und Franziska Mulders geboren. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie in die alte, geschichtsträchtige, von vor 2000 Jahren gebauten Mauern und Schutzgräben umgebenen Stadt Nijmegen. In dieser historischen Umgebung entdeckte Wilhelm schließlich seine Berufung zum Priestertum und verspürte weiterführend den Wunsch, nach Amerika auszuwandern, um dort seinen Glauben zu verbreiten.

Wilhelm besuchte die von Dominikanern geleitete Schule in Nijmegen und ließ sich dann in das "Minor Seminary" aufnehmen, eine römisch-katholische Institution, in der Jungen akademisch und spirituell auf ein späteres religiöses Leben als Pfarrer  vorbereitet werden. Noch als Teenager wurde Wilhelm im Jahre 1890 von seinem Bischoff zum Studium der Theologie und Philosophie an das "American College in Louvain", Belgien, geschickt. Viele seiner Freunde gingen ebenfalls nach Belgien, studierten dort aber auf der Europäischen Hochschule. In den protestantischen Niederlanden waren Katholiken eine Minderheit, dennoch bestärkte sie diese Situation in ihrem Glauben und so standen der Kirche schließlich mehr ausgebildete Priester als dafür zu besetzende Stellen zur Verfügung. So wurden die jungen Männer dazu ermutigt, Missionsangebote im Ausland anzunehmen.

Im Alter von 22 1/2 Jahren, etwa ein Jahr nach dem geforderten Alter, war Wilhelm bereit für die Ordination und eine spezielle Dispensation des Heiligen Vaters sorgte dafür, dass Wilhelm am 29.06.1894 aus den Händen des Erzbischoffs von New Orleans, Francis Janssen, seine Weihe zum Priester entgegennehmen konnte. Etwa sieben Monate später trat Wilhelm seine Überfahrt in die Vereinigten Staaten von Amerika an und landete am 15.02.1895 inmitten einer der größten Schneestürme, die Louisiana je erlebt hatte, im Hafen von New Orleans. Sein Name wurde ab da an mit William Joseph Teurlings angegeben, er wurde auch Vater Teurlings genannt. Mit Sicherheit kann man seine Befürchtungen während der Reise nachvollziehen, von nun an in einem Land voller Krokodile und Gelbfieber zu leben.

Seine erste Stelle war die des Assistenzpfarrers an der St. Mary Magdalen Church in Abbeville, dort war er sechs Monate tätig. Danach  wurde er aufgrund des Priestermangels der Erzdiözese zum Pfarrer eines der größten und schwierigsten  Territorien ernannt, dass sich etwa 120 Meilen weit entlang des Golfs von Mexico von Cameron, Cheniere Au Tigre über St. John´s Bridge nach Pecan Island erstreckte. Die Lebensbedingungen waren William in Abbeville primitiv erschienen, konfrontiert mit den neuen Begebenheiten nannte er sie im Rückblick luxuriös und voller Schönheit. Nun gab es an seinem neuen Arbeitsplatz keine Straßen, nur schlammige Strecken entlang von Kämmen, die sich zwischen tückischen Sümpfen und Mooren hindurchschlängelten. Es gab keinerlei Annehmlichkeiten, sein größter Trost waren seine Kodak-Kamera und ein kleines Piano. Er fand ein kleines Haus, konnte sich aber keine Köchin oder Haushälterin leisten oder finden. Da er sein Gebiet von nun an würde regelmäßig bereisen müssen und es noch keine Fahrzeuge gab, die es mit den örtlichen Begebenheiten aufnehmen konnten, stellte er sich dieser Herausforderung mit dem Kauf eines Pferdes. William war nie zuvor auf einem Pferd gesessen, lernte aber nach ein paar Abwürfen schnell das Reiten. Drei Jahre verbrachte er in der größten Gemeinde Lousianas - Ermüdung, Unbehagen, Überarbeitung und Einsamkeit konnten ihm nichts anhaben, wohl aber eine Typhus-Malaria Infektion sorgte dann dafür, dass er nach Washington, Louisiana, geschickt wurde. William schilderte diese frühen Jahre seines Priestertums in seinem kleinen, nostalgisch angehauchten und bisweilen humorvollen Buch "One Mile An Hour".

Interessenten schicke ich gerne per Email eine Word-Datei des in englischer Sprache verfassten Buches "One Mile An Hour", es umfasst 86 Seiten und zeigt einen umfassenden Einblick in das Leben von William Joseph Teurlings.

Der Erzbischoff teilte Vater Teurlings eine andere Pfarrei des Attakapas County zu. Diese Pfarrei erstreckte sich auf 40 Meilen in der Nähe des Ufers des Atchfalaya-Flusses, das Pfarrhaus befand sich in Washington (Lousiana), einer malerischen Gegend der St. Landry Pfarrgemeinde.  Der junge Kurator ließ schon bald Kapellen in den ländlichen Gebieten von Grand Prairie und Whiteville erbauen, später erkannte er die Bedürfnisse von Dossmann (jetzt St. Landry, eine Misson von Pine Prairie) und Melville. Er war unentwegt auf den hier besser ausgebauten Straßen unterwegs, um den Menschen die Messe  halten und die Sakramente überbringen zu können. Er überzeugte auch die Schwestern von Mount Carmel davon, eine Klosterschule in Washington zu gründen. In recht kurzer Zeit schloss die gesamte Bevölkerung von Washington  - Juden, Katholiken, Protestanten, Schwarze und Weiße - Williams inspirierende und dynamische Persönlichkeit ins Herz, es herrschte sozusagen ein großes, religiöses Wiedererwachen. Die Kirche wurde bald zum Mittelpunkt  aller städtischen Aktivitäten.

Zu dieser Zeit gab es in Washington keine Kirche für die Schwarzen, auch keine finaziellen Mittel, um eine Kapelle zu bauen - in Eigenregie und mit unentgeltlicher Arbeit fügte Vater Teurlings der White Church einfach einen weiteren Flügel zu. Beide Rassen schickten darauf hin ihre Kinder in dieselben Katechismusklassen, rlebten die erste Kommunion zusammen und zeigten Respekt vor der wirklichen "Religionsfreiheit". Groß war der Gegensatz zu Willams früheren Erfahrungen in Cameron, als er wegen der Rassenprobleme mit einer Pistole in der Tasche unterwegs war, um Ärger und Gefahren begegnen zu können...

Vater Teurlings verbrachte acht Jahre in dieser ländlichen Gegend, dann erhielt er im Alter von 34 Jahren den Aufruf des Erzbischoffs, die pastoralen Pflichten an der Kirche St.John the Evangelist in Lafayette, dem Herzen Acadianas, zu übenehmen. Er folgte dem französischen Pfarrer Pater E. Forge. Bei Beginn seiner Tätigkeit in Lafayette hatte die Stadt im Jahre 1906 eine Bevölkerung von 8000 Einwohnern und für eine Binnenstadt war dies zur Jahrhundertwende eine stattliche Zahl. Er war vor 12 Jahren zum Priester geweiht worden und war sicherlich einer der meist reisenden Pastoren seiner Zeit. Nun würde es all seine Arbeitskraft und Energie beanspruchen, den Anforderungen seiner neuen Gemeinde gerecht zu werden. Der ehemalige Pastor war kränklich gewesen und dadurch nicht in der Lage, die Bedürfnisse seiner Gemeinde wahrzunehmen. Der Kirchenfriedhof erforderte sofortige Aufmerksamkeit, für Reparaturen und Instandhaltung wurden Mittel  benötigt. Die Kirche, eine weitläufige Holzkonstruktion, zeigte sich mehr als wettergeschädigt. Sie bestand zwar aus einer soliden Struktur aus breiten Holzbalken und Zypressenschindeln, war aber seit vielen Jahren nicht mehr repariert worden, der bauliche Zustand erforderte die sofortige Aufmerksamkeit des neuen Kurators. Im Jahre 1909  wurde die Kampagne für den Aufbau der neuen Kirche begonnen, der junge Pfarrer leitete das dafür verantwortliche Kommitee. Bevor nun die eigentliche Arbeit an der neuen Johanniskirche begann, zeigte er sich der Bitte der afroamerikanischen Katholiken gegenüber offen, die sich eine eigene Kirchengemeinde wünschten - er half ihnen bei der Finanzierung und der Erbauung. Im Jahre 1912 wurde die Pauluskirche von Erzbischoff Blenk als die erste Kirche, die von und für die schwarze Gemeinde in der Erzdiözese außerhalb von New Orleans gebaut worden war, gesegnet. Als Geschenk für die neue Pfarrgemeinde hatte die Gemeinde St. Johannes ihre Glasfenster für die Pauluskirche gespendet, Bretter bedeckten die Fensteröffnungen in St. John´s für die nächsten vier Jahre, bis auch hier die neue Kirche gebaut wurde. Darüber hinaus übergaben die Pfarrkinder dem neuen Vorstand von St.Paul´s die Glocke, die von der schwarzen Gemeinde unter Pastor Forge für St. John gekauft worden war. Vater Teurlings leite die Kirche für zwei Jahre, zu dieser Zeit wurde sie als zweitgrößte schwarze Gemeinde in den Vereinigten Staaten betrachtet.

Nachdem der Fertigstellung von St. Paul konzentrierte sich Vater Teurlings auf die Errichtung einer neuen Kirche für die Gemeinde St. Johannes. Die bestehende Struktur, obwohl sie von Pfarrer Forge renoviert und vergrößert worden war, bedurfte einer erheblichen Reparatur und zeigte Mängel in der Bauausführung-  der Glockenturm war bereits zusammengebrochen. Für die schnell wachsende Gemeinde war die Kirche auch viel zu klein. Vater Teurlings hatte große Pläne für den Bau einer neuen Kirche. Sein Traum war ein Denkmal, ein Haus,  das nachfolgende Generationen noch die Herrlichkeit Gottes aufzeigen sollte. Er erstellte Skizzen, berechnete Maße und verbrachte viele Stunden damit, seine Ideen zu Papier zu bringen. Letztendliche setzte er sich aber im Rahmen eines Besuchs bei seinen Eltern in Holland mit einem niederländischen Architekten namens A. E. Cousin zusammen und beschrieb ihm ausführlich die Kirche, die er sich vorstellte. Hr. Cousins vorläufige Skizzen wurden positiv aufgenommen, 1910 begannen die Geldbeschaffungsmaßnahmen. Hr. Eugene Guillot aus New Iberia wurde als Auftragsnehmer eingestellt, er hatte zuvor die St. Landry Kirche in Opelousas und St. Maria Magdalen in Abbeville gebaut. Sand, Kies und Baustoffe wurden gekauft, und Vater Teurlings erinnerte sich viele jahre später daran, an der Spitze einer Prozession von 25 mit Baustoffen gefüllten Wagen gefahren zu sein. Nach dem positiven Beginn gab es Verzögerungen, tauchten Probleme auf. Vater Teurlings war fassungslos, als die letzten Pläne, die er Monate später von Hr. Cousin erhielt, eine solche Kostensteigerung aufzeigten, dass es über 200.000 Dollar gekostet hätte, die Kirche zu erbauen !

Hr. Guillot wurde konsultiert, ein weitere Architekt hinzugezogen. Schließlich wurden die Pläne von Hr. Cousin aufgegeben und modifiziert - die Ziegelgewölbedecke wurde in Putz geändert, 3 Fuss dicke Wände wurden auf 2 Fuss reduziert, die freischwebenden Strebepfeiler wurden ausgelassen. Das Diözesenkommitee hatte zahlreiche Empfehlungen vorgelegt, bevor die überarbeiteten Pläne schließlich endgültig genehmigt wurden. Eine solche Empfehlung betraf auch das Material für den Boden; Vater Teurlings wird mit den Worten zitiert: "Sie verlangten die Beseitigung des vorgeschlagenen Zementbodens und sagten, dass Zementboden für Salons, Friseurgeschäfte usw. die richtige Sache waren, aber wohl nicht in einer Kirche zulässig... ich musste gehorchen... Holzböden wurden ordnungsgemäß installiert..."

Schließlich legte der Erzbischoff Blenk im Jahre 1913 den Grundstein, am 27.06.1916 wurde die prächtige neue Kirche des hl. Johannes des Evangelisten von Weihbischoff Jean Marius Laval gesegnet. Obwohl die Kosten für die damalige Zeit ziemlich hoch waren (über 75.000 Dollar) sah man in der Kirche ein Denkmal des Glaubens und der Nächstenliebe. Zu dieser Zeit war sie das höchste und größte Gebäude der Stadt, eine anmutige Struktur aus rotem Backstein, der mit weißen Putzornamenten verziert wurde, runden Bögen und bunten Glasmalereien und einem Glockenturm, der in der ganzen Stadt zu sehen war. Innerhalb von zwei Jahren wurde diese Kirche zur Kathedrale der neugebildeten Diözese Lafayette, Vater Teurlings wurde zum Rektor ernannt.

1925 hatte sich Lafayette, die Kleinstadt mit 8.000 Einwohnern, die Vater Teurlings neunzehn Jahre zuvor vorgefunden hatte, dramatisch verändert - zwei Eisenbahnlinien hatten Bahnhöfe in der Stadt erbaut, die auf der Strecke New Orleans - Texas einen wichtigen Brückenkopf bildete. Die örtliche Technische Hochschule  war fest etabliert und stellte den Jugendlichen des Umlandes eine höhere Bildung zur Verfügung. In abgelegenen Gebieten war Öl entdeckt worden und die Förderung würde der Stadt einen wichtigen Impuls zum Wachstum verleihen. Durch die Zunahme von Arbeitsplätzen stieg die Bevölkerungsanzahl; um 1918 war Lafayette im Südwesten von Louisiana als das "Herz des Glaubens"  herausgehoben worden, der Heilige Stuhl sah die Stadt als Mittelpunkt einer neuen Diözese.

Lange vor 1925 zeigte sich Vater Teurlings über die Teilnahme an der Sonntagsmesse betroffen - eine beträchtliche Gruppe der Gläubigen schien immer zu spät in die Kirche zu kommen, einige Besucher kamen am Ende der heiligen Messe an. Diskrete Anfragen zeigten bald, dass die Ursache des Problems kein Mangel an Glaube war, sondern die Größe der Stadt Lafayette. Die Durchquerung der Stadt war immer schwieriger geworden. Die Menschen, die auf der Nordseite der Eisenbahnlinie wohnten erklärten, das vorbeifahrende Züge ihre rechtzeitige Ankunft bei der heiligen Messe oft verhinderten. Andere beriefen sich auf die aufwändige Logistik, die bei einer Vorbereitung einer sechs- bis achtköpfigen Familie anstand. Vater Teurlings erkannte, dass sich das Wachstum der Stadtfläche und die Probleme der Eisenbahnfahrpläne in Zukunft wahrscheinlich nicht verringern würden, eher würde der Kirchenbesuch abnehmen, wenn man nicht eine Lösung finden würde.

William Teurlings begann die Stadt zu erkunden und fand eine salomonische Lösung: Eine kurze Suche ergab die Verfügbarkeit eines Grundstückes von Miss Edvigne DeClouet, es lag hinter den Eisenbahnschienen im Nordteil der Stadt. Die Kathedrale konnte es sich nicht leisten, das Land zu erwerben, aber Vater Teurlings erhielt bald eine großzügige Spende von Hr. Henry Lastrapes, der ihm die damals fürstliche Summe von 15.000 Dollar anbot, um den Pfarrer bei seinen Plänen, eine Kapelle für seine "Nordseitengemeinde" zu gründen, zu unterstützen. Hr. Lastrapes erkundigte sich nur, ob die neue Kirche nach seiner Mutter, Genevieve, benannt werden könne. Mit einem nun bestehenden Finanzierungsangebot, einem Grundstück und einem Namen für die neue Kapelle legte Vater Teurlings Bischoff Jeanmard seinen Plan vor, die Menschen rechtzeitig zur heiligen Messe kommen zu lassen - der Bischoff stimmte zu ! Am 25.06.1925 leitete der Bischoff die Gründung der neuen Kapelle St. Genevieve ein; Lafayette besaß nun eine dritte Kirche. Bevor die erste Messe abgehalten werden konnte. hatte Vater Teurlings bereits eine "Ladies Altar Society" organisiert. Er liebte die Messen in der neuen Kapelle, wenn er nicht persönlich dort sein konnte, schickte er einen Assistenten oder einen Priester, der zu Besuch war. Die Menschen konnten an regelmäßigen Liturgien in der Kapelle teilnehmen und organisierten sich bald für religiöse, organisatorische und finanzielle Aufgaben.

Die zuvor erbaute Kathedrale sowie die neue Kapelle spielten bei der folgenden Ehrung von Vater Teurlings sicherlich keine kleine Rolle - er wurde bei der Eröffnung vom Heiligen Vater  Papst Benedikt XV. zum Right Reverend Monsignore ernannt. Der Südwesten von Louisiana wurde von der Erzdiözese New Orleans getrennt und wurde die Diözese von Lafayette, mit Lafayette als Bischofssitz. Zu dieser Zeit war William Teurlings seit 31 Priester und er war sich sicher, für den Rest seiner Laufbahn in Lafayette zu bleiben. Andereseits beschäftigte er sich auch mit seiner Zukunft - die Jahre des feuchten Klimas, des Reitens und der Missionsbesuche hatten ihren Tribut an seine Gesundheit gefordert. Er hatte sein Schaffen selbstlos den Menschen seiner Gemeinde dargebracht. Nun suchte er nach neuen Welten, die es zu erobern galt. Er war sich bewusst, noch ein paar gute Jahre vor sich zu haben, aber nicht an einem Ort, an dem es nichts mehr zu Erschaffen galt. Er konnte nicht hierbleiben, bis Krankheiten den Ruhestand erzwangen oder Gott ihn zu sich rief.

Monsignore Teurlings war ein immer lächelnder, sanfter Mann, obwohl niemand bstreiten konnte, dass er einen gewissen Anteil der brühmten niederländischen Hartnäckigkeit in sich trug. 1925 hatte er den Kopf voller schneeweißer Haare, ein anmutig zerknittertes Gesicht und ein lebendiges Funkeln in den Augen. 1929 war er ein eingefleischter Workaholic, dem neue Projekte ausgegangen waren. Als er eines Tages aus der Kapelle St. Genevieve wehmütig in die Stadt schaute, erkannte er, dass dort kein Mangel an zukünftigen Baumaßnahmen herrschte. Er formulierte sein Vorhaben Bischoff Jeanmard, der aufgrund seines Alters weise genug war, Monsignore Teurlings inneren Aufruhr zu verstehen. Er stimmte seiner Bitte, der erste Pfarrer von St. Genevieve zu werden und damit den vielfältigen Aufgaben der Pfarrgemeinde der Kathedrale entbunden zu werden, zu. Am 01.02.1929 nahm er diese Aufgabe wieder mit der Kraft der Jugend auf und verlor keine Zeit damit, seine ihn umgebenden Mitarbeiter mit einzubinden. 1929 gründete er die Ushers Society, er ging die Kirchenschulden zu Beginn der "Großen Depression" an und bezahlte sie innerhalb von neun Jahren vollständig. 1938 fügte er die östlichen und westlichen Flügel hinzu und vergrößerte das Kirchengebäude auf seine heutige Größe. Es war ein ehrgeiziges Projekt und viele Eltern bezweifelten die Notwendigkeit eines Gebäudes, das so groß war wie die Kathedrale. Monsignore Teurlings lebte lange genug, um ihnen das Gegenteil zu beweisen und die wachsende Pfarrei zweimal aufzuteilen. Die Zeiten waren hart, das Geld knapp und die Menschen, die Nation sowie die Wirtschaft in einem depressiven Zustand. Seine niederländische Sparsamkeit kam nun zum Tragen, um Schulden zu bezahlen und neue Immobilien zu erwerben. Nachdem er das Kirchengebäude vergrößert hatte, kaufte er ein großes Grundstück  auf der Breaux Bridge Highway, um eine anständige Ruhestätte für seine Pfarkinder und seine Lieben zu sichern.

1939 stürzte die Welt in die Katastrophe des 2. Weltkrieges und Vater Teurlings musste traurig mit ansehen, dass viele seiner Pfarrkinder eingezogen wurden. Er verbrachte von nun an viele Abende bei ängstlichen oder traurigen Eltern, deren Söhne in Europa sein geliebtes Holland verteidigten. Während des Krieges ermutigte er seine Pfarrer, eine Grotte für "Notre Dame de Lourdes" zu bauen, die all denen gewidmet sein sollte, die im Dienste der U.S. Army für die Demokratie kämpften. Die Idee zu dieser Grotte kam von Miss Alide Martin, Hr, Pete Delahoussaye baute sie zu minimalen Kosten, die Pfarrkinder unterstützten das Vorhaben mit Gebeten und dem Sammeln von Geld. Die Gedächtnistafel aus weißem Marmor wurde von Fr. Whitmeyer gespendet. Der Bau der Grotte kam auch Vater Teurlings Lieblingshobby - das Gründen von Kapellen - entgegen, denn mit dem rstlichen zur Verfügung stehenden Geld schuf er eine neue Kapelle am östlichen Rand der Gemeinde, die dem Heiligen Patrick gewidmet wurde. Nach dem Krieg fand William Teurlings Wohnsitz bei einem seiner Assistenten, Vater Peter Blom, ebenfalls einem gebürtigen Holländer.

Nur der Krieg hatte zudem den nächsten Plan von Monsignore Teurlings verzögert, den Bau einer neuen katholischen Schule. Er beriet sich mit den Schwestern von Mount Carmel, die für seine geplante, neue Schule in St. Genevieve ein paar Nonnen zur Verfügung stellen sollten. Durch seine guten Beziehungen zum Orden benötigte es keine große Überredungskünste und so konnte die Schule im Juni 1945, einen Monat nach dem Ende des 2. Weltkrieges, eröffnet werden. Man begann mit einem kleinen, schnell zusammengeschusterten Gebäude und kämpfte sechs Jahre für die Erstellung eines neuen Hauses. Der Krieg hatte die amerikanische Wirtschaft aus der Flaute geholt und die Finazierung des Schulgebäudes stellte kein Problem dar, die Beschaffung der benötigten Materialien dagegen sehr wohl. Letztendlich öffnete die Schule im Herbst 1951 ihre Pforten, doch es bereitete dem Orden Mount St. Carmel Schwierigkeiten, eine ausreichende Anzahl von Nonnen zur Mitarbeit an der Schule zu stellen. Der Orden trat von dem Vertrag zurück und "Die Schwestern der göttlichen Vorhersehung" übernahmen die Verantwortung für die Stellenbesetzung. Umzüge, Bingo-Veranstaltungen und zahllose Kuchen- und Süssigkeitenverkäufe brachten Geld in die Schulkasse und führten im jahre 1953 zur Eröffnung einer neuen Cafeteria, die Monsignore Teurlings gewidmet wurde.

Im Jahr 1929 hatte St. Genevieve keine Pfarrhalle, nach dem Krieg folgte Monsignore Teurlings gerne dem Vorschlag der Pfarrkinder und genehmigte den Bau der Halle auf dem Kirchengelände. Die Halle wurde als "Der Pavillon" bekannt und wurde von den Männern der Gemeinde in freiwilliger Arbeit erbaut. Sie verbrachten viele Abende damit,  ein Gebäude zu erstellen, das im Alltag der Gemeinde eine wichtige Rolle spielen sollte. Es stand als Treffpunkt für die Jugendlichen, Veranstaltungen und Abendessen zur Verfügung, zudem stellte es aufgrund seiner hervorragenden Lage in unmittelbarer Nähe der Kirche eine ideale Location für Hochzeitsfeiern dar.

Im Jahre 1954 hatte Monsignore Teurlings fast 30 Jahre damit verbracht, den Menschen von St. Genevieve als Pfarrer zu dienen. In diesem Jahr feierte er den 60. Jahrestag seiner Ordination. Zu dieser Zeit war er ein hochgeehrter Bürger von Lafayette und der Bürgermeister verkündete den Jahrestag als Ehrentag. Die Heilige Messe wurde mit Freunden des Priesters gefeiert, die Schüler der St. Genevieve-Schule präsentierten einen Festzug, der der "Gesegneten Mutter " als Anerkennung für ihren verehrten Hirten gewidmet war. Es war das aufsehenerregende Ende einer Karriere, die sich über eine Zeit von zwei Jahrhunderten, einen Ozean und sechs Jahrzehnte spannte. Monsignore Teurlings verbrachte schließlich 2 1/2 Jahre als Pensionär in St. Genevieve, bis er am Morgen des 28.12.1957 , dem Tag nach dem Fest des Heiligen Johannes, verstarb.

 

Pater Teurlings, wie er genannt werden wollte, obwohl er zu einer formelleren Anrede berechtigt war, blieb nicht nur wegen seiner großen Werke, sondern auch für seine "gesunde Heiterkeit" und "feurigen Eifer", wie sie liebevoll in einem 1931 von seinen Gemeindemitgliedern verfassten Gedicht beschrieben werden. Seine Haushälterin, Fräulein Alphonsine Demare, erinnerte daran, daß er nie das Pfarrhaus verließ, ohne eine Soutane zu tragen, ob er nun zu Pferd oder später in einem Automobil reiste. Sein Motto lautete: "Ich erhalte immer mehr Hilfe, als ich benötige, wenn ich eine Soutane trage !"

Natürlich zeigte dieser Bericht nur einen oberflächlichen Ausschnitt aus dem Leben von Wilhelm Joseph Teurlings, ausführlichere Informationen können Interessierte der oben dargestellten Festschrift zum 60jährigen Priesterjubiläum oder dem Buch "One Mile An Hour" entnehmen. Auch die Homepage der "Teurlings Catholic High School" bietet zusätzliche Informationen (http://www.tchs.net/)

Franz Joseph Teurlings (1867-1929)

Franz Joseph Teurlings wurde am 25.09.1867 in Tilburg als Bruder von Wilhelm Joseph Teurlings geboren. Von Beruf Großhandelskaufmann heiratete er Maria Henrietta Elisabeth van Clarenbeek, das Ehepaar hatte zehn Kinder, sieben davon wurden tot geboren, eine Tochter verstarb am Tag nach der Geburt. Dem entsprechend erreichten nur zwei Söhne das Erwachsenenalter: Cornelius Franciscus Lambertus Teurlings (*24.07.1899 in Nijmegen, +09.02.1973) und sein Zwillingsbruder Lambert Teurlings, auch Onkel Bart genannt.

Cornelius ehelichte die 1905 in Amsterdam geborene Antoinette Eugenie van Oppen, Nachkommen sind derzeit noch nicht bekannt.

Lambert Teurlings heiratete Hermine Jansen (*22.06.1910 in Wyler, Kleve, +02.01.2000 in Nijmegen, Niederlande), das Ehepaar hatte zwei Kinder, einen Sohn namens Franz Joseph Teurlings (*19.07.1937 - *20.08.1995), auch "Jüppi genannt, sowie eine Tochter namens Henriette Teurlings (*18.05.1935 in Arnheim, Niederlande), auch "Etty" genannt. 

Franz Joseph Teurlings ehelichte Ursula Neukirch, Henriette Teurlings heiratete Rudolf Kempers. Beide Ehepaare haben Nachkommen, die sich  in den Familien Teurlings, Kempers, Degen, Gietmann wiederfinden. Das Familientreffen am 01.04.2017 in Bedburg-Hau führte dann diese Familienzweige mit den weiter im Stammbaum verknüpften Familien Kaeding, Wilmshorst, Jansen, Janssen, Keller, Engelbrecht, Zweipfennig, Grajewski, Ioan usw. zusammen.

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© Joachim Wilmshorst, Stand: 16.05.2017